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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Apocalypse now and then and ever again, 20. Oktober 2004
Ein Buch gegen den Krieg zu schreiben ist so sinnlos wie ein Buch gegen Gletscher zu schreiben. Das hat bereits Kurt Vonnegut seinem „Schlachthof 5" vorangestellt. Es gab in der Vergangenheit Gletscher und es wird sie noch lange geben. Kriege ebenfalls. Robert Strange McNamara erzählt in „The fog of war" von seinem Leben, ganz besonders von seinem Berufsleben. Er diente im Zweiten Weltkrieg und war unter Kennedy und Johnson amerikanischer Verteidigungsminister. Beinahe ist es ein Film über 100 Jahre Kriege mit Beteiligung der USA. Denn bereits die frühesten Kindheitserinnerungen McNamaras sind vom Krieg geprägt, vom Ersten Weltkrieg. Der Krieg der alle weiteren Kriege beenden würde, wie Woodrow Wilson so vollmundig versprochen hatte. McNamara ist inzwischen 88 Jahre alt und wirkt in diesem Film geistig völlig fit. Ein intelligenter, besonnener und ehrgeiziger Hochschulabsolvent, der bewegendes und hochinteressantes von sich gibt. Glücklicherweise wird dem Zuschauer nicht nur ein Interview mit McNamara in einem Fernsehstudio präsentiert, sondern ein handwerklich sehr gelungener Dokumentarfilm geboten, inklusive passender musikalischer und visueller Untermalung. Zu sehen gibt es viele Fernsehbilder aus der Zeit des 2. Weltkrieges, der Kubakrise und des Vietnamkrieges. Diesen drei Konflikten gilt in diesem Film die meiste Aufmerksamkeit. Der Koreakrieg, der Erste Weltkrieg und der Amerikanische Bürgerkrieg werden nur kurz erwähnt. Den gerade aktuellen Krieg im Irak kommentieren weder der Regisseur noch sein Gesprächspartner. Allerdings sagt McNamara deutlich, daß er weder damals und erst recht nicht heute für einen leichtfertigen Einsatz des Militärs sei. Im Vietnamkrieg wurde den USA die Unterstützung Deutschlands, Frankreichs und anderer NATO-Staaten verweigert. Dazu sagt McNamara etwas, das sehr wohl auch auf den Krieg von George W. Bush paßt. Wenn man nicht einmal Länder mit ähnlicher Kultur und gemeinsamen Werten als Verbündete gewinnen kann, dann sollte man sein Vorgehen noch einmal überdenken. Die Strukturierung des Films in 11 Kapitel, 11 Lehren, die McNamara aus seinem Leben gezogen hat ist sehr gelungen. Versetze dich in deinen Feind! Was wir glauben und sehen ist oft falsch! - das sind nur zwei dieser Lehren. Wäre die Welt besser dran, wenn die mächtigen Führer nicht solchen 11 Leitsätzen, sondern etwa den 10 Geboten folgen würden? Nun, George W. Bush ist Mitglied der wiedergeborenen Christen. Die Antwort scheint also ein Nein zu sein. Besonders erschreckend an „The fog of war" ist die Erkenntnis, daß die Zukunft der Menschheit selbst in den Händen von Robert McNamara nicht optimal aufgehoben ist. Selbst dieser überaus rationale, intelligente Mensch, der kein Kriegstreiber war, hat Fehler gemacht. Aber auch unter der Verantwortung so eines weisen, sympathischen Mannes starben Millionen. „The fog of war" hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack! Statt uns voller Naivität auf eine friedliche Welt zu freuen, sollten wir uns wohl eher auf weitere Kriege einstellen und den Schaden und das Leid so gering wie möglich halten. Das sind schlimme, aber wohl realistische, Aussichten.
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